Neudorf – Luxemburg – Stadt

Eine langgezogene Talstraße im Osten der Hauptstadt bildet den seit 1920 eingemeindeten Vorort Neudorf. Hier erhebt sich auf halbem Weg die Kirche St. Heinrich, benannt nach dem heiligen Heinrich II, deutscher Kaiser und Gemahl der in Luxemburg geborenen heiligen Kunigunde, deren Kirche sich im nahegelegenen Clausen befindet. Lebensdaten von Heinrich und Kunigunde: um das Jahr 1000.
Das Neudorfer Gotteshaus birgt eines der ältesten Instrumente des Landes. Im Kern wurde es von den Gebrüdern Müller 1904 als einmanualiges Werk mit dreiteiligem neoromanischen Prospekt errichtet. Neben der Firma Stahlhuth aus Aachen war die Werkstatt der Gebrüder Müller aus Reifferscheid, ebenfalls unweit der alten Kaiserstadt gelegen, ein bedeutender Orgellieferant ins Großherzogtum, mit ca. 40 neuen Instrumenten zwischen 1868 und 1909.

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Schon 1915 wurden ein Schwellwerk und zwei seitliche Propektfelder hinzugefügt, wobei die Urheberschaft unklar bleibt. Die Liste aller Luxemburger Orgeln aus dem Jahr 1935 schreibt die Erweiterung Stahlhuth zu, während das Firmenschild am Spieltisch Sekundus Fischer als Erbauer bezeichnet.

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Sekundus Fischer (1877-1958) arbeitete zunächst selbständig von Großhettingen/Lothringen aus, verlegte jedoch später seinen Betrieb nach Lorentzweiler und Cruchten. In Lothringen ist er von ungefähr 1912-1920 mit Reinigungen, Reparaturen und dem Einbau von elektrischen Ventilatoren beschäftigt. Die gleichen Arbeiten führt er auch bis in die 1930er Jahre in Luxemburg aus. Später arbeitet Sekundus Fischer für die Orgelbauwerkstatt Haupt/ Lintgen und für Klais im Saarland und der Eifel.

2010 wurde die Registerschaltung im Spieltisch repariert.

Quellen:
Die Straßennamen der Stadt Luxemburg
F.X.Mathias: Compte rendu du congrès d’orgue, strasbourg 1935
Norbert Thill: Orgeln und Orgelbau in Luxemburg, Luxemburg 1993
Internet

Vermutliche Disposition der Müller – Orgel von 1904.

I. Hauptwerk C-f3 Pedal C-d1
Bourdon 16´ Subbass 16´
Principal Octavbass
Rohrflöte
Gamba
Salicional
Oktav
Trompete


Die heutige Disposition.

I. Hauptwerk C-f3 II. Schwellwerk C-f3 Pedal C-d1
Bourdon 16´ Geigenprincipal Subbass 16´
Principal Gedackt Octavbass
Rohrflöte Aeoline
Gamba Vox coelestis
Salicional Flöt oct.
Oktav Oboe
Mixtur 2-3 fach 2 2/3´
Trompete


Suboktav – Koppel II/I
Superoktav – Koppel II/I
Manual – Koppel II/I
Pedalkoppel I
Pedalkoppel II
pneumatische Traktur, Kegelladen
4 feste Kombinationen, Registerschweller, Tonschweller