Herz-Jesu – Luxemburg – Stadt

Dieses monumentale Instrument der manufacture d´orgues luxembourgeoise G. Haupt aus dem Jahr 1938 besitzt einen 16-füßigen Freipfeifenprospekt, welcher in die Maueröffnung von 8 m Breite und 8 m Höhe der rückwärtigen Emporenwand eingebaut ist. Das ganze Instrumentarium aus Pfeifen, Windladen und Bälgen erstreckt sich über die geräumige Orgelkammer hinter der Fassade.

Luxemburg Herz-Jesu

Die vordere Prospektreihe wird von den Registern Principal 16´ ab C (jeweils 6 Pfeifen rechts und links), Prestant 4´ (mitraförmiges Pfeifenfeld in der Mitte) sowie Principal 8´ und Oktavbaß 8´ (dazwischenliegende Pfeifen) gebildet. Im hinteren, mitraförmigen Pfeifenfeld stehen die tiefsten Töne von Principalbaß 16´ ab C.

Hinter der Fassade befindet sich das Pfeifenwerk von Hauptwerk und Pedal in der Mitte, jenes der beiden anderen Werke in je einem eigenen Schwellkasten links und rechts. Das größere der beiden Schwellwerke, welches sich auf 2 Etagen verteilt und 50 Drehflügel besitzt, hatte lange Zeit keine gute Schwellwirkung, da die Drehflügel nicht mehr gut abdichteten und zudem der elektropneumatische Jalousieapparat nicht kraftvoll genug war, um eine so große Anzahl zu bewegen.

Im Zuge der Maßnahme zur Verbesserung der Schwellwirkung im Jahr 2005, bei der auch alle Drehflügel ausgebaut waren, entdeckten wir ein interessantes Detail, welches die enge Verbindung der Werkstätten Haupt/Lintgen und Stahlhut/Aachen dokumentiert. Wie bekannt, ist die Firma Haupt aus der Orgelbauwerkstatt Stahlhut hervorgegangen.

Zurück zu den Drehflügeln. Aus Douglasie (Oregon-Pine) gefertigt in 4 cm Holzdicke, bestehen sie ca. 3-4 cm breiten, durchgehenden, verleimten Lamellen. Der untere Achsstift steht auf einem Glasplättchen um das Einsinken ins Holz zu verhindern.

Die Verarbeitung der Drehflügel, nicht aus einem Brett, was ja auch möglich gewesen wäre, sondern aus schmalen Steifen, sowie das Stellen der Achsstifte auf Glas ist eine auf Stahlhut zurückgehende Praxis.

Dazu ein Zitat aus dem Kostenanschlag von 1911 für die Düdelinger Stahlhut-Orgel, entnommen aus dem gleichnamigen Buch des Jahres 2002, unter Punkt:“Schwellkästen und Gehäuse“, Seite 326:

“Wände und Deckel doppelwandig, 5 cm stark, Jalousien 4 cm, letztere zur Vermeidung jeglichen Werfens, in schmale Leisten zerschnitten und in bunter Folge wieder verleimt, auf Glasplatten laufend, incl. Mechanik zum Spieltisch.”

Hier wird deutlich, wie eine bewährte Arbeitsweise über Jahre und Jahrzehnte in der Werkstattpraxis beibehalten und weitergegeben wird, frei nach dem Motto: “Das haben wir hier schon immer so gemacht.”

Erst in den 1950er Jahren wird die Werkstatt Haupt die Ausführung der Drehflügel ändern. Es kommen nun neue Werkstoffe (Hartfaserplatten) zum Einsatz. Das Stellen der Achsen auf Glasplättchen wird aber weiterhin praktiziert.